Wie aus dem Allgäu Panorama Ultra Trail ein schöner Marathon wurde

Am letzten Sonntag fand nun also der Allgäu Panorama Ultra Trail statt, zu dem wir schon seit ewiger Zeit angemeldet waren.

Die Zuversicht diesen tatsächlich zu rocken, war bei mir allerdings seit Monaten verschwunden. Insbesondere mein deutlicher Trainingsrückstand ließ mich zweifeln. An Pfingsten sind wir ja das Schlussstück der Strecke (ab Oberstdorf) mal abgelaufen, von da an war ich mir dann sicher, dass das für mich niemals innerhalb der vorgegebenen Zeitlimits zu schaffen sein wird. Schon gar nicht, wenn ich vorher schon fast 50 km in den Beinen habe.

Innerlich hatte ich mich also schon mal vom Heinzebausch gelöst (meine ureigene Bezeichnung für die APUT Finisher-Trophäe, ein aus Eisen geschmiedetes Läuferlein auf einem Granitstein) und der geänderte Plan lautete nun, einfach einen schönen Tag zu verbringen und zu laufen, soweit ich innerhalb der Cutoffs eben komme. Weiterlesen

Wenn das „ich will laufen“-Gen fehlt…

Na ja, das Gen fehlt mir nicht gänzlich, aber irgendwie versteckt es sich meistens irgendwo ganz im hintersten Winkelchen meines Körpers…

Heute war mal wieder so ein ganz typischer Tag, denn ich hatte heute Nachmittag frei. Und während alle anderen Läufer, die ich kenne, an so einem Tag mit Freuden nach der Arbeit in ihre Laufklamotten hüpfen und mit großem Hurra und Jippieeee losspurten würden, ist es bei mir eher so, dass ich eigentlich an meinem freien Nachmittag am liebsten auf dem Sofa liegen und lesen würde, ein bisschen Schokolade essen oder vielleicht ein kleines Eis, evtl noch ein wenig im www sehen, was es Neues gibt… Joa, das ist es, was ich mir so unter einem gemütlichen Nachmittag vorstelle… *schäm…*

Laufen gehen… puh… dazu muss ich mich immer erstmal aufraffen und ich werde öfter mal dabei ertappt, dass ich sage: „Ich muss noch laufen gehen“, was sich ein wenig anhört, als wenn ich gleich zum Schafott geführt werden würde. Auch heute hat der Gedanke ans Laufen bei mir nicht gerade Begeisterung geweckt. Als ich nach Hause kam, musste ich erstmal eine Kleinigkeit essen und hätte dann sowieso nicht gleich loslaufen können. Danach hab ich das Essen für morgen vorbereitet und dann war ich sowas von hundemüde, deshalb hab ich mich erstmal ein wenig hingelegt, ein halbes Stündchen war angedacht, bis das Essen verdaut war. Das Liegen hat gut getan, zu gut, leider… ich bin eingeschlafen und erst nach über einer Stunde wieder aufgewacht. „Puh… jetzt noch laufen gehen?!… Eigentlich merk ich die Achillessehnen schon noch ein bisschen vom Sonntag… Is ja jetzt auch schon wieder so spät… Und eigentlich müsste ich ja auch ein bisschen länger laufen… Pffff… Dann muss ich ja auch noch nen Trinkrucksack richten…“ Das waren so die Gedanken, die in meinem schläfrigen Hirn umherschwirrten.

Ist das zu begreifen? Da will man Ultras laufen und Wasweißichnichtalles und dann sowas!

Na gut, immerhin hab ich mich dann mal umgezogen. Es hatte heute nachmittag angenehme 21 Grad draußen und war bewölkt, so dass man auf jeden Fall auf halbwegs ebener Strecke eine Stunde laufen kann, ohne Wasser dabei zu haben. Also dachte ich mir „Ok, eine Stunde reicht auch, Hauptsache, Du läufst überhaupt. Und wenn es weniger als eine Stunde wird… auch besser als nix!“ Einen Trinkrucksack richten zu müssen, hätte mich heute tatsächlich so überfordert, dass ich zu Hause geblieben wäre.

Es war dann schon kurz vor halb sechs, bis ich endlich losgelaufen bin. Es war furchtbar! Ein Bild des Jammers (bilde ich mir zumindest ein). Ich hab mich mal wieder gefühlt, wie wenn ich noch nie gelaufen wäre. Meine Beine haben sich angefühlt, wie wenn sie überhaupt nicht zu meinem Körper gehören würden und ich selbst hab mich gefühlt, wie ein Walross. Ein dickes, schnaufendes Walross. Und dementsprechend hatte ich sofort das Gefühl „Das wird nix heute…“. Am liebsten wäre ich sofort wieder umgedreht und zurück nach Hause. Aber zum Glück saßen meine Nachbarinnen vor dem Haus und das wäre mir dann doch zu peinlich gewesen, nach nichtmal 5 min schon wieder zurück zu kommen. Also bin ich erstmal weiter gewalzt.

Bis zum ersten kurzen Trailstückchen…

Sofort waren diese blöden „Ach wie schlecht bin ich heute wieder drauf… ist das alles soooo anstrengend…“-Gedanken weg. Da waren erstmal gar keine Gedanken mehr. Da war ein Trail. Da war Laufen. Und nach diesem kleinen Stückchen dachte ich dann: „Och, geht doch jetzt eigentlich ganz gut… ich glaub ich brauch jetzt nicht die ganz kurze Runde… ein Stückchen wird schon noch gehen…“

Jetzt lief es. Es war schön, soooo schön!!! Mein „ich will laufen“-Gen ist aus seinem Winkelchen hervorgekommen! Mist, sooooo viel schöne Dinge zu sehen. Und ich hatte nicht mal mein Handy dabei um ein paar Fotos zu machen. Dachte ja, das lohnt sich heute wirklich nicht…

Ich lief. Und hängte noch ein wenig dran. Und sinnierte vor mich hin. Warum ich zur Zeit so besonders unlustig bin. Vielleicht liegt es am APUT. Den werd ich nämlich nicht schaffen. Also, das heißt, die Strecke von etwa 70 km werd ich natürlich schon schaffen, vorausgesetzt dass mir nichts wehtut und mich nicht die Hitze fertig macht. Aber nicht, gar niemals nicht innerhalb der Zeitvorgabe von maximal 13 Stunden…

Vor 3 Jahren bin ich den APM, gelaufen, den im gleichen Rahmen stattfindenden Marathon, den ich problemlos innerhalb des Zeitlimits geschafft hatte. Deshalb hab ich mich mit den Zeitvorgaben bei der Anmeldung zum APUT erstmal gar nicht beschäftigt. Ich wollte nur einfach den Heinzebausch in meinen Schrank stellen können, das Steinmannschgerl… dieses da:

Diese Steinmännchen bekommen die Finischer des APUT… ©Axel Reusch

 

Aber dann hab ich doch mal das Reglement genauer gelesen… „Waaaaaaaas???? Das schaff ich nicht! Never ever!….“ Schließlich sind wir an Pfingsten einen Teilabschnitt der Strecke gelaufen und wenn ich das hochrechne…

Ich glaube das hat mich dann irgendwie ein wenig demotiviert… zumindest denke ich, dass meine derzeitige schlechte Trainingsmoral ein wenig auch damit zu tun hat.

Und sicherlich auch damit, dass ich nicht so die Auswahl hab, wann ich laufen gehe, da meine Arbeitszeiten nicht gleichmäßig auf die Wochentage verteilt sind. Ich habe Montag Vormittags frei, aber da müssen sich in der Regel meine Füße vom langen Lauf am Wochenende regenerieren, daher ist dieser Vormittag zum Wahrnehmen sonstiger Termine und Erledigungen reserviert. Dienstag Nachmittag hab ich ebenfalls frei und deshalb sollte ich da LAUFEN! Mittwochs und Donnerstags arbeite ich je 10 Stunden mit kurzer Pause dazwischen und gut 2 Stunden Hin- und Rückfahrt. Da ich eh schon um kurz nach 5 aufstehen muss, kann ich nicht noch in der Früh trainieren, dann müsste ich ja um 3 schon aufstehen… und abends komm ich so spät heim, dass auch nichts mehr geht, weil ich ja am nächsten Morgen auch wieder so früh raus muss. Bleibt dann nur noch der Freitag, da bin ich gegen 16 Uhr zu Hause. Eine gute Stunde Laufen geht dann noch, mehr aber in der  Regel nicht, weil ja dann am Samstag meistens der lange Lauf ansteht…

Tja, also kann ich Dienstags laufen gehen oder gar nicht. Günstiger wäre halt, wenn ich da ein bisschen mehr Flexibilität hätte, aber man kann eben nicht alles haben, man muss die Gegebenheiten nehmen wie sie sind… 😉

Aber egal, der heutige Lauf ist dann jedenfalls doch noch wirklich, wirklich schön gewesen!!! Es sind dann immerhin fast 18 km geworden. Zwischendrin hätte ich dann allerdings schon mal ein Schlückchen Wasser vertragen können. Glücklicherweise sind wir hier mit Schätzen der Natur gesegnet. Hab unterwegs eine reife! Brombeere, 2 Erdbeeren (Adrenalinstoß…  wäre beinahe erwischt worden…) und 2 unreife Mini-Äpfelchen (egal, hauptsache schön sauer und die trockene Kehle angefeuchtet…) gemopst. Die Besitzer mögen mir verzeihen mit dem Wissen ein Leben gerettet zu haben 😉

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Eines der rettenden Äpfelchen