Wie aus dem Allgäu Panorama Ultra Trail ein schöner Marathon wurde

Am letzten Sonntag fand nun also der Allgäu Panorama Ultra Trail statt, zu dem wir schon seit ewiger Zeit angemeldet waren.

Die Zuversicht diesen tatsächlich zu rocken, war bei mir allerdings seit Monaten verschwunden. Insbesondere mein deutlicher Trainingsrückstand ließ mich zweifeln. An Pfingsten sind wir ja das Schlussstück der Strecke (ab Oberstdorf) mal abgelaufen, von da an war ich mir dann sicher, dass das für mich niemals innerhalb der vorgegebenen Zeitlimits zu schaffen sein wird. Schon gar nicht, wenn ich vorher schon fast 50 km in den Beinen habe.

Innerlich hatte ich mich also schon mal vom Heinzebausch gelöst (meine ureigene Bezeichnung für die APUT Finisher-Trophäe, ein aus Eisen geschmiedetes Läuferlein auf einem Granitstein) und der geänderte Plan lautete nun, einfach einen schönen Tag zu verbringen und zu laufen, soweit ich innerhalb der Cutoffs eben komme.

So machten wir uns dann bereits am späten Freitagnachmittag nach der Arbeit auf nach Sonthofen bzw. nach Fischen, wo wir unser Domizil für dieses Wochenende hatten. Da wir beide eine anstrengende Woche hinter uns hatten und unterwegs bereits im Restaurant zum gelben M eingekehrt waren, stand nach Bezug unseres Zimmers als einziger Programmpunkt nur noch das intensive Horchen an der Matratze an.

Auch den Samstag gingen wir dann sehr gemütlich an. Kurz in den Ort spaziert und Frühstück für Sonntag besorgt, anschließend ein halbes Stündchen gelaufen und Klamotten und Rucksackinhalt für Sonntag bereit gelegt.

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Gegen Mittag sind wir dann immer schön an der Iller lang nach Sonthofen spaziert. Das herrlich perfekte Wetter und die Schönheit der uns umgebenden Landschaft haben uns in Hochstimmung versetzt und plötzlich war die Motivation wieder da, am Sonntag vielleicht doch die ganze Strecke zu schaffen.

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So haben wir dann unsere Startunterlagen abgeholt und sind noch kurz in unserem Sonthofener Lieblings-Bäckereicafé eingekehrt (schon allein das Apfel-Pflaumen-Heidelbeer-Schorle ist immer einen Besuch wert!).

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In Sonthofen immer ein MUSS!!!

 

Per Bahn ging’s anschließend wieder zurück nach Fischen.

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Streetart am Wertstoffhof in Sonthofen, vom Bahnhof aus betrachtet.

Die Nudelparty haben wir geschwänzt und uns stattdessen in Fischen eine extrem köstliche Gemüse-Pilzpfanne mit Schupfnudeln gegönnt.

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Hammer, soooo lecker!

Danach hieß es dann beizeiten schlafen gehen, denn um 4:00 Uhr in der Früh musste gefrühstückt werden, damit das Ganze dann bis zum Start um 6:00 Uhr auch ordentlich verdaut werden konnte.

Am Raceday vor dem Start herrschte sehr relaxte Stimmung. Ein paar Bekannte haben wir noch getroffen und kurz begrüßt, dann ging’s auch schon los. Eher still, ohne irgendwelches AC/DC oder sonstiges Gedöns, ich hab ehrlich gesagt nichtmal ’nen Startschuss gehört.

Erstmal losgelaufen, war die übliche „Vordemstartaufregung“ sofort verschwunden. Entspannt ging es dahin, erst noch ein kleines Stück durch Sonthofen und dann ab in’s Gelände. Der APUT hat keinen sehr hohen Trailanteil (die vorhandenen Trails sind aber allesamt klasse), er ist eher ein Landschaftslauf. Allerdings eben in absolut herrlichster Umgebung und er macht seinem Namen wirklich alle Ehre, an tollen Panoramablicken herrscht hier wirklich kein Mangel. Und diese haben mich mehr als einmal weitergerettet, wenn ich eigentlich das Gefühl hatte nicht mehr laufen zu können…

Bereits gegen halb acht spürte man die Sonne stechen und es wurde wärmer und wärmer. Jaaaaa, strömender Regen wäre auch blöd gewesen, aber bei Hitze bin ich halt auch ein bisschen mimimimimi… Kurzum, ein paar kleine Wölkchen wären mir nicht unrecht gewesen. Schließlich hab ich ja versucht, mich ein wenig zu beeilen, ich wollte ja nun doch gerne die Cutoffs schaffen. Und so war es wieder genauso wie neulich bei der ZTC: Ich hab mich wieder nicht getraut stehen zu bleiben und Fotos zu machen, zumal mein Handy auch so schlecht aus der Tasche zu ziehen ging, weil es sich diesen Platz ja neuerdings mit meinem Asthma-Notfallspray teilen muss. Damit ich trotzdem ein paar Eindrücke vom Lauf vermitteln kann, war Simone wieder so lieb mir mit ihren Fotos auszuhelfen  ❤ .

Der erste zu knackende Cutoff war um 9:15 in Grasgehren. Bis dort hin waren 19 km und etwa 1050 HM zu überwinden. Das hat dann auch recht gut geklappt, ich hatte nur gute 5 Minuten Rückstand auf Simone. Sie hatte dort auf mich gewartet und ist dann schon mal weiter, nachdem sie dann wusste, dass es mir gutgeht. Zum Cutoff war noch eine gute Viertelstunde Zeit. Zugegebenermaßen nicht gerade viel, aber egal, Hauptsache ich konnte meinen Weg in Richtung Oberstdorf erstmal fortsetzen.

Allerdings war bis Oberstdorf auch noch ein ordentliches Stück Weg zu bewältigen. Der dortige VP befand sich in der Erdinger Arena (dort, wo die Skisprungschanze lokalisiert ist) bei km 49 und dortiger Cutoff war um 14:30 Uhr.

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Der Weg dorthin führte uns Läufer über Riezlern im Kleinwalsertal. Kurz oberhalb Ortseingang Riezlern, am Hörnlepass (km 32), war auch nochmal ein VP eingerichtet, an dem es aber kein Zeitlimit gab. Dort habe ich erfahren, dass Simone ca. 10 Minuten vor mir durchgekommen ist. Super, dann war ich ja gar nicht so schlecht! Also weiter. Ab hier jedoch fiel mir das Laufen deutlich schwerer. Die Strecke ging sogar immer leicht bergab und eigentlich sollte man meinen, dass man’s da ja einfach problemlos rollen lassen kann. Aber mitnichten… selbst hier musste ich mal eine Gehpause einlegen, meine Beine wollten einfach nicht mehr so recht. Die Strecke führte nur ein kurzes Stück durch Riezlern, nach dem Überqueren der Breitachbrücke ging’s schon wieder bergauf über das Söllereck. Immer schön in der prallen Sonne ohne ein Wölkchen. Zum Glück gab es immer wieder bereit gestellte Wassereimer und -schläuche, so konnte man wenigstens an Kopf, Nacken, Armen und Waden immer wieder für Erfrischung und damit gleichzeitig auch für die Erheiterung der vielen Wandertouristen sorgen, die inzwischen in Scharen unterwegs waren. Leider haben sich deren kleine Grüppchen oft über den ganzen Weg breit gemacht ohne ein wenig Platz für uns Läufer frei zu lassen, was ich auf Dauer echt ziemlich nervig fand.

Außerdem ertappte ich mich auf diesem Abschnitt auch bei dem Gedanken, dass ich doch schon ziemlich platt bin und nun gerade mal die Hälfte der Strecke geschafft habe. Trotzdem konnte ich sogar beim gehenden Bergaufstöckeln noch ein paar Plätze gut machen. Das hat mich dann schon wieder ein wenig motiviert. Wenigstens auf gerader Strecke und bergab wollte ich jetzt nicht gehen müssen. Mit sehr langsamem Laufen hat das auch funktioniert, indem ich mich so gut wie möglich mit dem herrlichen Panoramablick abgelenkt habe. Der Downhill nach Oberstdorf ging dann sogar wieder erstaunlich flott, alle Läufer, die ich vor mir sah, konnte ich einholen und an ihnen vorbeiziehen und letztendlich hatte ich dann wieder diejenigen eingeholt, mit denen ich 2 Stunden vorher nicht mehr mithalten konnte. Das hat nochmal richtig Laune gemacht.

Trotzdem hatten mich die letzten km ungeheuer viel Kraft gekostet. Unten in Oberstdorf angekommen konnte ich nur noch gehend weiter und es zog und zog sich bis ich endlich bei der Schanze samt zugehöriger Arena angekommen war. Zeitlimit locker geschafft, noch weit über eine halbe Stunde Zeit! Allerdings… der Gedanke an das, was jetzt noch vor mir lag, löste bei mir nicht gerade Wogen der Begeisterung aus. Ich wusste ja, dass es nun etwa 10 km auf den Sonnenkopf hinauf gehen würde und anschließend die letzten 10 km wieder runter nach Sonthofen. Alles jetzt in der prallen Nachmittagssonne… Puh…

Aber jetzt wollte ich mir am VP in der Arena erstmal eine kleine Pause gönnen. Hierzu musste ich noch einen kleinen Zickzackweg nach oben. Dort am VP wurden die ankommenden Läufer sogar namentlich angesagt, denn hier gab es die Möglichkeit den Lauf ohne DNF zu beenden. Man bekommt dann eine Marathonwertung und auch eine Marathonmedaille. Faire Sache, finde ich.

Und welch schöne Überraschung: Nachdem ich die letzte Zacke des Wegs hinter mir gelassen hatte, sah ich schon meine Simone jubeln und winken! Sie war bereits seit einer Viertelstunde am VP und hat auf mich gewartet. Auf ihrem Weg dorthin hatte sie ein dickes Tief überwunden und war sich nun alles andere als sicher, ob sie wirklich weiterlaufen sollte und wollte.

Hatte ich vorher keinen ernsthaften Gedanken daran verschwendet, so fand nun auch ich den Gedanken, jetzt nicht mehr weiterlaufen zu müssen, wirklich ganz schön verlockend. Zumal ich schon seit Stunden Schmerzen in der Schulter hatte, sei es vom Rucksack oder von den Stöcken, es war auf jeden Fall ziemlich unangenehm.

Erstmal wollte ich aber einfach nur eine Pause. Hier an diesem gigantisch gut bestückten VP gab es sogar alkoholfreies Weißbier. Davon hab ich mir erstmal einen großen Becher gegönnt, dann noch Wassermelonen- und Pfirsichstücke. Der am VP anwesende Masseur hat sich meiner Schulter angenommen, anschließend haben wir uns in den Schatten gesetzt und uns nochmal beraten, was wir nun tun wollen.

Bei Simone wollte der Kopf einfach nicht mehr, zu sehr ist und war er seit langer Zeit mit Dingen beschäftigt, die einen Kopf in der Freizeit eigentlich in Ruhe lassen sollten. Bei mir war der Kopf voll in Ordnung, er konnte sich aber gegen den Körper nicht durchsetzen, dem es einfach momentan an Kraft ein wenig fehlt. So fiel dann schlussendlich die Entscheidung hier aus dem Rennen zu gehen.

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Grund war einfach die Zusammenschau der Dinge: Hier der Kopf, da der Körper. Die noch zu absolvierende Strecke war uns bekannt und wir waren uns zwar sicher, dass wir das schaffen würden, auch innerhalb der Zielschlusszeit. ABER: Es war auch klar, dass die Reststrecke zumal bei der herrschenden Nachmittagshitze ohne viel Schatten eine einzige Tortur für uns werden würde. Und am nächsten Tag würden wir arbeiten müssen, egal wie sehr der Körper schmerzt, egal wie müde und erschöpft wir wären.

Jaaa, wir hätten es durchziehen können, komme was wolle. Ich weiß, ein Ultra ist kein Kindergeburtstag und bis zu einem gewissen Grad gehören Leiden, Schmerzen und Kämpfen müssen einfach dazu.

ABER: An diesem Tag wollten wir das einfach nicht! Wir wollten einfach nur einen schönen Tag haben, die uns umgebende wunderschöne Landschaft genießen und uns natürlich schon auch auspowern, aber eben bis zu einem gewissen Grad und nicht darüber hinaus.

Deshalb sind wir dann leichten Herzens an dieser Stelle aus dem Rennen gegangen und haben unsere Marathonmedaille abgeholt. Definitiv war es von der Strecke her der deutlich schönere Marathon als die 42 km des APM, weil uns so der kilometerlange Schotterweg an der Iller entlang erspart geblieben ist.

Außerdem waren es natürlich 49 km. Und 49 km sind auch ein Ultra! Ein kleiner jedenfalls… Oder?

Und hier noch einige der schönen Fotos, die Simone gemacht hat:

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu “Wie aus dem Allgäu Panorama Ultra Trail ein schöner Marathon wurde

  1. Sehr schön geschrieben!
    Ja, mein Kopf, wieder einmal. Will zur Zeit nur solange es Spaß macht und keine Quälerei ist. Aber, so what? Wir hatten einen schönen Tag und ein schönes Erlebnis, das ist das Wichtigste 👍☺😘
    Und 50k sind 50k – gerockt! 😎

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: APUT 2016 – Allgäu Panorama Ultra Trail mit Motorschaden | trailrennerei

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