Zugspitz Trailrun Challenge – ein aufregendes Wochenende

Am letzten Freitag haben wir uns in Richtung Zugspitze aufgemacht, um am Samstag beim Scott Rock The Top Zugspitz Marathon im Rahmen der Trailrun Challenge an den Start zu gehen. Dass wir dort hin reisen würden, war klar, unser Zimmer in Lermoos war bereits seit Ende letzten Jahres gebucht, denn Simone war längst für den Marathon angemeldet. Ich wollte eigentlich nur supporten, habe mich dann aber vor einer guten Woche doch noch spontan entschieden, selbst auch teilzunehmen.

So sind wir dann am Freitag gegen Mittag gemütlich losgefahren in ein Wochenende, dass uns mehr Aufregung beschert hat, als uns lieb war. Irgendwie war der Wurm drin… 

Auf dem Hinweg über Reutte nach Lermoos haben wir am Heiterwanger See noch einen Zwischenstop eingelegt. Um uns ein wenig die Beine zu vertreten, sind wir eine Runde um den See spaziert. Bis auf die hartnäckigen Bremsen, die uns auf der ersten Hälfte der Runde ziemlich genervt haben, war es super schön, auch mal gut geeignet für eine flache Laufrunde, die man auch noch um den direkt angrenzenden Plansee erweitern könnte.

Nach unserem Spaziergang hatten wir zwar kurz überlegt, ob wir gleich schon in Lermoos in unserer Pension einchecken sollten, uns dann aber entschieden erstmal nach Garmisch weiter zu fahren um dort die Startunterlagen zu holen und uns vor allem erstmal einen Kaffee und eine leckere bayrische Brezn zu gönnen.

Gesagt – getan. Die Brezn waren himmlisch und der Kaffee tat gut. Ruckzuck hatten wir auch unsere Startunterlagen.

Da es nun anfing zu gewittern und zu regnen, wären wir auf dem Weg zum Auto pitschenass geworden, daher haben wir um Zeit zu sparen, unser Abendessen kurzerhand auch gleich noch in Garmisch eingenommen. Pasta mit Auberginensoße, geröstetem Rucola und Mozzarella. Wenn man davon absieht, dass die Nudeln den al-dente-Moment schon etwas überschritten hatten, wirklich sehr lecker.

Nun aber los nach Lermoos. Etwa um 18:30 Uhr kamen wir an unserer Pension an… und standen vor verschlossener Tür! Auf mehrmaliges Klingeln keine Reaktion. Ans Telefon ging auch keiner ran. Irgendwann haben wir die Schwägerin der Besitzerin erwischt und nach einigem Hin und Her hat sich herausgestellt, dass wir trotz schriftlicher Bestätigung nicht eingeplant waren und es auch kein freies Zimmer mehr gab. Es wurde eifrig telefoniert, die Schwägerin teilte uns mit, dass da dieses Wochenende so ein Rennen sei und deshalb alles ausgebucht ist. Wir daraufhin: „Ja, genau, deswegen sind wir auch hier und deswegen wollten wir eigentlich auch um 20:00 Uhr im Bett liegen…“ Schlussendlich hat es die Chefin doch noch geschafft ein Ersatzzimmer für uns zu besorgen. Puh, nochmal gut gegangen, wir waren froh, dass wir nicht im Auto schlafen mussten und haben erleichtert das Zimmer bezogen,  uns häuslich eingerichtet und unsere Siebensachen für den Lauf bereitgelegt.

Die Entschädigung: Eine wunderschöne Aussicht vom Balkon unseres Ersatzzimmers!

Die Entschädigung: Eine wunderschöne Aussicht vom Balkon unseres Ersatzzimmers! 🙂

Dann schau ich auf’s Handy und sehe die Eilmeldung… schockiert haben wir den Fernseher eingeschaltet um uns über die Entwicklung der Ereignisse in München auf dem Laufenden zu halten, gleichzeitig auf WhatsApp-Nachrichten gewartet. Schließlich bin ich erst vor Kurzem aus München weggezogen und habe dort Freunde und Bekannte. Vor allem aber waren 2 meiner Kinder gerade dort und ich musste einfach wissen, dass sie in Sicherheit waren und es ihnen gut ging!

Nach ihrer Rückmeldung war ich zwar beruhigt, aber die ganze Aufregung des Abends hat dafür gesorgt, dass ich in der Nacht überhaupt nicht schlafen konnte. Egal, der Wecker hat eh schon um 3:45 Uhr geklingelt. Dann folgte schon fast automatisch das übliche Tee kochen, eine Kleinigkeit frühstücken, ins Bad, Klamotten an, Trinkblase und Softflask füllen, Rucksack packen, Startnummer umschnallen, nochmal checken ob alles dabei ist und um 5 Uhr ging’s dann los Richtung Ehrwald.

Dropbagabgabe, Ausrüstungskontrolle (wo ich mich jedes Mal frage, warum Leute mit winzigstem Rucksack eigentlich nicht die komplette geforderte Pflichtausrüstung vorzeigen müssen… das würde ich nämlich zu gerne mal sehen! ;-)) und schwupp, schon standen wir in der Startaufstellung.

Um punkt 6 ging’s los und ich muss sagen, das war das erste Mal, dass ich einen Rennstart wirklich so richtig genießen konnte ohne am Ortsausgang schon völlig platt zu sein! Es ging nämlich zunächst immer leicht bergab, aus Ehrwald hinaus, zwischen Wiesen hindurch mit bester Aussicht in den Morgen hinein. Herrlich! Bald darauf kam der erste Anstieg auf den grünen Ups. Bis dort hin waren Simone und ich zusammen gelaufen, nun ging jede von uns wie vereinbart ihr eigenes Tempo. Witzigerweise haben wir uns immer kurz vor oder an den VP’s wieder getroffen. Simone ist bergauf deutlich schneller als ich, dafür kann ich im Downhill wieder Zeit gutmachen. Die Strecke hatte zwar deutlich mehr positive HM zu bieten, aber irgendwie hat es doch immer wieder geklappt, dass wir ein Stück Weg gemeinsam bestreiten konnten oder uns wenigstens kurz mitteilen konnten wie wir klarkommen.

Eins muss man dem Veranstalter Plan B wirklich lassen: Die Strecke, die wir da geboten bekamen, war ein echter Traum, wirklich einfach nur wunderwunderschön! Allerdings für mich auch sehr fordernd. Ich musste sehr die Cutoffs im Auge behalten und hab mich deshalb kaum getraut mal stehen zu bleiben und ein paar Fotos zu machen. Ein paarmal konnte ich dann aber doch nicht widerstehen und Simone war so lieb, mir ihre Fotos auch zur Verfügung zu stellen, damit ich hier doch wenigstens ein bisschen was von der Strecke zeigen kann.

Auf einem sehr schönen Downhillabschnitt zwischen grünem Ups und Biberwier wäre das Rennen schon beinahe für mich gelaufen gewesen: Mit dem rechten Fuß bin ich auf einem Stein abgerutscht und zwischen diesem und einem zweiten Stein stecken geblieben. Hatte Glück, dass ich mich mit dem anderen Fuß abfangen konnte, und bin daher nur mit dem Knöchel umgeschnackelt. Trotzdem, der Kreislauf war erstmal kurz ganz unten im Keller, Pfeifen in den Ohren, Schwindel, das ganze Programm. Einige Minuten später ging’s mir aber gottseidank wieder gut und es konnte weiter gehen. Trotzdem war ich dann mit dem rechten Fuß vorsichtiger, meine linke Schulter hatte auch schon einen Schlag weg von einem Poporutscher am grünen Ups. So hatte jede Körperhälfte ihr kleines Manko, aber ansonsten ging es mir prima. Keinerlei Probleme mit den Knien und Achillessehnen.

Der Aufstieg zur Biberwierer Scharte hatte es ganz schön in sich. Er schien sich endlos zu ziehen und ich hatte, als ich mich noch zwischen den Latschenkiefern in kurzen Serpentinen immer weiter nach oben arbeitete, nicht die leiseste Ahnung, wie ich auf diese Weise zu der Scharte gelangen sollte, die ich von unten gesehen hatte. Nachdem ich die Obergrenze der Latschen erreicht hatte, querte der Trail nach rechts einen Hang und dann ging’s weiter zwischen Felsen und Geröll zur Scharte. Ich war zwar fix und alle, weil es jetzt noch steiler wurde, aber wenigstens wusste ich jetzt wo’s lang geht und das hat mir dann doch geholfen. Nach der Überquerung der Scharte und kurzem Plausch mit 2 netten Herren von der Bergwacht dort oben bot sich mir ein herrlicher Anblick, an dem ich mich gar nicht sattsehen konnte! Jippieee, da durfte ich jetzt lang laufen! Ein Traum! Ein echter Traum!

Leicht zu laufen war der Trail allerdings nicht wirklich, er hatte schon einiges an technischen Tücken zu bieten. Zur Belohnung gab’s dann den wunderbaren Blick auf den Seebensee.

Nun waren es nur noch ein paar km bis V3 (bei km 33) an der Ehrwalder Alm. Da ich vorher im Downhill dann doch etwas vorsichtig war, musste ich nun Gummi geben, es war nicht mehr so wahnsinnig viel Luft bis zum dortigen Cutoff um 14 Uhr. Ich bin gelaufen wie eine Blöde, hab unterwegs noch nach und nach 4 Männer überholt und war überglücklich noch fast eine Viertelstunde vor dem Cutoff an V3 anzukommen.

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V3 – Ehrwalder Alm

Da sah ich Simone stehen, die erfreut rief und winkte. Allerdings war ich ziemlich verdutzt darüber, denn eigentlich hätte ich vermutet, dass sie schon viel weiter ist…

Dann rief sie plötzlich: „Brauchst Dich nicht beeilen, das Rennen ist abgebrochen!“ Häääääää? Abgebrochen? Also ich hab erstmal nen Moment gebraucht um zu umreißen, was das nun bedeutet.

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Uns wurde mitgeteilt, dass sowohl die deutsche als auch die österreichische Bergwacht wegen eines aufziehenden Unwetters dringend angeraten hatten das Rennen abzubrechen und dass der Veranstalter dieser Empfehlung gefolgt ist. Daher war bereits ab 13 Uhr die Strecke oberhalb der Ehrwalder Alm gesperrt. Selbstverständlich zurecht! Mit Unwettern ist nicht zu spaßen und schon gar nicht im Hochgebirge! Dafür hatten wir vollstes Verständnis, auch wenn wir uns natürlich schon gewünscht hätten, den Lauf mit einem Zieleinlauf am Sonnalpin abzuschließen.

Außerdem wurde uns mitgeteilt, dass es dann für uns von der Streckensperrung betroffenen eine extra Wertungsliste geben würde und wir bei der Pastaparty die Medaille bekommen würden. Nur das Finisher-Shirt nicht, weil wir ja nicht gefinisht hatten, auch wenn es nicht unser eigenes Verschulden war.

Nun ja, wenigstens konnte man von der Ehrwalder Alm aus mit der Seilbahn hinunter nach Ehrwald fahren. Nachdem ich mich am VP nochmal mit allem was mein Körper gerade verlangte (in diesem Fall Unmengen von Orangenschnitzen und Cola) gestärkt hatte, machten Simone und ich uns auf den Weg ins Tal. Natürlich nicht ohne vorher noch das obligatorische Selfie zu knipsen…

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Auf dem Fußweg von der Seilbahn zur Ortsmitte von Ehrwald wo unser Auto stand, hat uns dann noch der Shuttle von Plan B eingesammelt und wir genossen für kurze Zeit den Luxus von automatischen beidseitigen Schiebetüren, Ledersitzen und Klimaanlage.

Da wir noch viel Zeit hatten bis zur Pastaparty, wollten wir erstmal in der Pension duschen gehen und uns auf dem Weg dorthin noch kurz Kaffee und Apfelstrudel gönnen. Als wir von Lermoos aus zur Zugspitze blickten, bot sich uns dieses Bild:

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Das Unwetter war doch nicht so schlimm wie befürchtet ausgefallen. Aber mei, das kann man halt nicht wissen. Die Zugspitze ist sicherlich wettermäßig ein Mikrokosmos für sich und gerade hier ist man eben inzwischen für Wetterumschwünge bei solchen Veranstaltungen besonders sensibel und im Zweifelsfall lieber mal etwas zu vorsichtig, als dass ein Unglück passiert.

Hierfür haben wir vollstes Verständnis. Was wir aber überhaupt nicht verstehen konnten, war, wie von Plan B nach dem Lauf mit der Geschichte umgegangen wurde.

Als wir am Abend am Veranstaltungsort der Pastaparty unsere Dropbags abgeholt haben, wurde uns jeweils eine Medaille vom Berglauf (16 km) auf den Tisch geklatscht mit der Bemerkung, dass wir halt nur die bekommen, weil wir ja schließlich keine 42 km gelaufen waren… Also das hat sich nach der Enttäuschung nicht weiterlaufen zu dürfen dann jetzt wirklich wie eine Watschn angefühlt… Uns jedenfalls war die Lust auf Pastaparty gründlichst vergangen und wir sind zurück nach Lermoos gefahren um dort Essen zu gehen.

Weder auf Facebook noch auf der ZTC-Website gab es eine Mitteilung darüber, dass das Rennen abgebrochen und die Strecke gesperrt wurde. Am Samstag sagten wir uns, dass die Veranstalter sicherlich total am Rotieren waren, weil sie schauen mussten, dass sie die Teilnehmer alle sicher vom Berg bringen. Am Sonntag haben wir das auch noch so hingenommen, weil an diesem Tag die Veranstaltung ja noch weiter ging. Trotzdem fanden wir, dass wenigstens eine kurze Mitteilung auf fb hätte drin sein müssen. Am Montag gab es noch immer keine Äußerung dazu, dafür hatten wir inzwischen festgestellt, dass wir alle in den Ergebnislisten als DNF (did not finish) standen und es nicht wie versprochen eine separate Liste gab.

Dem Ganzen wurde dann noch die Krone aufgesetzt, als am Dienstag eine Mail an alle Teilnehmer kam. Das Übliche, Dank an alle Teilnehmer, gelungene Veranstaltung, blablabla und dann so nebenbei noch, dass es ihnen leid tut für diejenigen, die davon betroffen waren, dass „die Zeitlimits um eine Stunde vorverlegt werden mussten“…

Hallo? Da stand nichts, dass das Rennen abgebrochen wurde! Und da die Zeitlimits verschoben worden waren, waren wir jetzt auch noch zurecht DNF, oder was????

Boah, also da fehlten auch mir jetzt echt die Worte! Mag sein, dass sich das jetzt irgendwie korinthenkackerisch anhört oder dass sich jetzt alle, die nicht selbst davon betroffen waren, fragen, was ich eigentlich will…

Für mich ist das einfach ein kleiner aber feiner Unterschied… ich bin nicht aus irgendwelchen Gründen aus dem Rennen ausgestiegen und ich habe auch nicht das vor dem Rennen für V3 angegebene Zeitlimit überschritten. Das wären DNF-Gründe gewesen.

Ich aber (bzw. wir… Simone ist ja genauso davon betroffen) war innerhalb dieses Zeitlimits an V3 und es ging mir gut. Und wenn dann das Rennen abgebrochen ist, dann ist das für mich kein DNF.

Na ja, ich möchte jetzt gar nicht weiter darüber rumbruddeln. Nachdem sich auf fb noch jemand darüber beklagt hatte, hab ich auch meinen Senf dazu gegeben. Inzwischen hat Plan B reagiert und es gibt seit heute eine extra Wertungsliste „Marathon – Ehrwalder Alm“. Na bitte, geht doch! So finde ich das fair.

Abgesehen von diesem Aufreger hatten wir aber ein sehr schönes Wochenende, das wir auf dem Heimweg noch mit einem kleinen Zwischenstop-Spaziergang zum Blautopf in Blaubeuren garniert haben.

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Blautopf

4 Gedanken zu “Zugspitz Trailrun Challenge – ein aufregendes Wochenende

  1. Ich finde das Ganze mehr als fragwürdig und es tut mir richtig leid für Euch und all die anderen die davon betroffen sind. In meinen Augen hätte Euch sogar das Finisher-Shirt gehört, was könnt ihr denn dafür, dass die plötzlich mitten im Rennen die Cut offs vorverlegen….grrrr…

    Für mich seit Ihr Finisher, weil ich mir sicher bin, Ihr hättet das bei gutem Wetter gepackt!!!

    Besonders freut mich, dass es Deinen Kindern und den Bekannten gut geht. Ich kenne auch 2-3 Leute in München und die Ereignisse lassen auch als nicht Betroffener so schnell nicht los.

    Liebe Grüßle
    Nadine

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    • Ach, braucht Dir nicht leid tun, Nadine! Das passt jetzt schon so und wir hatten ja trotzdem ein wunderschönes Lauferlebnis, das werd ich nie vergessen! Finisher-Shirt braucht’s nicht, ich würde es eh nicht tragen, wenn ich es mir nicht wirklich erlaufen hab, auch wenn es unfreiwillig war 😉
      Bin auch froh, dass es allen gut geht. Als Mama kann man halt nicht aus seiner Haut, man macht sich ständig Sorgen und Gedanken, auch wenn die Kinder längst erwachsen sind… 😉

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  2. Tja, da kann man nur sagen: wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen. Seltsame Geschichten erlebt man beim Laufen, egal, wie es auch geendet ist, du hast schöne Impressionen mit nach Hause gebracht, warst dort, wo du am liebsten läuft – und alles andere sollte man am besten abhaken. Nach dem nächsten Lauf hast du alles vergessen und genießt doppelt, dreifach- vierfach ! YES !! 😉

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