Hohenneuffen-Berglauf

Heute fand der 28. Hofenneuffen-Berglauf statt. Eine echte Traditionsveranstaltung also und ganz in unserer Nähe.

Simone hat zum Hohenneuffen von Kindheit an eine innige und ganz besondere Verbindung, es ist ihr allerliebster Lieblingsort auf der ganzen Welt. Seit sie ihre Liebe zur Trailrennerei entdeckt hat, besucht sie den Hohenneuffen fast jede Woche und hat seither auch am Berglauf jedes Jahr teilgenommen. Deshalb war sie natürlich auch dieses Jahr bereits seit Langem zu  diesem Lauf angemeldet. Natürlich hat sie mich damals gefragt, ob ich auch mitlaufe, aber um ehrlich zu sein, ich hab mich nicht getraut.

Natürlich hab inzwischen auch ich den Hohenneuffen schon einige Male erlaufen, in den gut 5 Monaten, die ich jetzt hier wohne kann man meine Hohenneuffen-Läufe mit Start in Linsenhofen (so wie beim Berglauf auch, aber auf traillastigerer Strecke) allerdings noch locker an einer Hand abzählen. Die anderen Male sind wir im Rahmen von langen Läufen auch mehrfach über den Hohenneuffen gekommen, jedoch auf anderer Strecke.

Nun ist der Hohenneuffen-Berglauf ja wie der Name schon sagt, eben ein Berglauf. Er hat 9,3 km und gute 500 HM. Und ja, ich bin schon öfter auf Berge gelaufen, aber eben, wenn es sich dabei um Wettkämpfe  handelte, auf längeren Strecken und es waren eben bisher auch immer Trailläufe. Auf diesen langen Kanten geht man (oder ich jedenfalls zumindest…) die Anstiege, die sich steil anfühlen und mir persönlich geht es dabei auch überhaupt nicht um irgendwelche Zeiten. Es geht mir darum, mich mit mir selber, meinen Hochs und Tiefs und sonstigen Befindlichkeiten auseinanderzusetzen, immer wieder neue Seiten an mir selbst mit Staunen zu entdecken, mich an der  Kameradschaft unter den Trailrunnern zu erfreuen, die für mich wirklich etwas ganz Besonderes ist. Mich an den schönen Landschaften zu erfreuen, die ich dabei erleben darf. Streckenabschnittsbekanntschaften zu schließen und nette Gespräche zu führen. Mich bis an meine physischen und vor allem auch psychischen Grenzen zu fordern. Und wenn ich dann im Ziel ankomme, möglichst innerhalb der Zielschlusszeit, dann bin ich glücklich und laufe danach tagelang mit debilem Dauergrinsen durch die Gegend.

So ein Berglauf ist aber was völlig anderes. Das ist eigentlich ein Wettkampf für Bergläufer. Und Bergläufer sind eben ein eigenes Völkchen, vom Wesen her eher wie Straßenläufer, nur dass sie halt Berge hochlaufen, in der Regel vornehmlich auf Teer- oder Schotterwegen, weniger auf Trails. Ihnen geht es vermutlich weder um das Erleben, noch um die Landschaft noch um die anderen Läufer, sondern ausschließlich darum, so schnell wie irgend möglich ins Ziel zu kommen. Ist ja auch irgendwie verständlich, denn so Bergläufe sind von der Strecke her ja auch nicht so lang. Deshalb kann man jetzt auch nicht sagen, man nähme daran teil, um die Strecke zu bewältigen. 10 km schafft jeder, notfalls eben komplett gehend. Daher ist ja klar, dass hier dann das Tempo den Reiz ausmacht. Kann ich völlig nachvollziehen. Aber mein Problem ist eben: Schnell kann ich nicht. Ich kann nur langsam und halblang und ab und zu eben auch mal länger als halblang, weil ich einen stark ausgeprägten Willen habe und mich dann eben irgendwie mehr schlecht als recht durchbeiße.

Auf so einer kurzen Strecke nützt mir das aber alles gar nix. Und das war auch der Grund, warum ich meine erste Teilnahme am Hohenneuffen-Berglauf eigentlich lieber auf’s nächste Jahr verschieben wollte. Ich hatte riesen Respekt davor, ja, regelrecht Schiss hatte ich davor! Davor, dass mir alle davonpesen und ich weit abgeschlagen als letzte ins Ziel kreuchen würde. Dass ich mich am Anfang wieder mitreißen lassen und mit viel zu hohem Tempo angehen würde. Dass ich mir dann gleich an einem der ersten Anstiege vor lauter Anstrengung mein Frühstück nochmal durch den Kopf gehen lassen müsste. Und… und… und…

Dann kam aber alles anders. Als wir gestern am späten Nachmittag unterwegs waren um Simone’s Startunterlagen abzuholen, hat sie mich nochmal gefragt, ob ich nicht doch Lust hätte, mitzulaufen. Und was soll ich sagen… ich hab mich spontan zur Nachmeldung entschlossen.

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Allerdings nicht mit der Intention mich an den Bergläufern zu messen, sondern einfach so, um auch nochmal im Hinblick auf nächsten Samstag einen Reiz zu setzen. Egal wie lange ich brauche.

Es wurde dann doch eine sehr nette Veranstaltung. Das Teilnehmerfeld war gemischt, hauptsächlich natürlich Bergläufer, aber auch einige Rookies und sogar Walker waren dabei. Meine Befürchtungen waren jedenfalls unbegründet. Natürlich war ich eher hinten im Feld angesiedelt, aber es kamen doch auch noch einige nach mir ins Ziel. Und wenn es nicht so gewesen wäre, so what…? Schlussendlich haben wir jetzt gerade die offiziellen Ergebnisse bekommen (sie stimmen mit den von uns gemessenen Zeiten nicht ganz überein, weil die Zeitnahme ab dem Startschuss erfolgte): Ich habe 1:10:58 gebraucht, Simone war etwa viereinhalb Minuten schneller. Damit bin ich sowieso super zufrieden und vor allem damit, dass ich den Schlussanstieg zur Burg noch komplett durchlaufen konnte.

Das Wetter war heute perfekt für so einen Lauf. Unter 20 Grad, durchgängige Bewölkung und gelegentlich leichter Nieselregen. Wirklich sehr angenehm.

Wenn ich das richtig gesehen habe, waren Simone und ich die Einzigen, die mit Rucksack gelaufen sind. Klar, Bergläufer sind eher minimalistisch unterwegs und sparen Gewicht wo immer es geht. Ich persönlich war aber echt froh um meinen Rucksack, ich bin es gewöhnt, dann zu trinken, wenn ich Durst habe oder es für sinnvoll halte. Sprich kurz vor und direkt nach Anstiegen und ggf. auch zwischendurch regelmäßig immer mal wieder einen Schluck. Es gab auch 2 VP’s, die aber nicht an für mich sinnvollen Stellen waren. Beide auf der ersten Streckenhälfte. Für mich ist es allerdings eher schwierig, dann einen Viertelliter Wasser in mich reinzuschütten, der mir dann im Bauch umherpumpelt, um dann nach der nächsten Steigung wieder Durst und nichts zu Trinken zu haben. Das ist sicher reine Gewohnheitssache, aber ich  bin halt verwöhnt und werde mein Rucksäckle deshalb beim nächsten Mal auch wieder mitnehmen. Ja, richtig gelesen! Im nächsten Jahr (der Termin steht schon: 28.05.2017) bin ich sicherlich wieder dabei!

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Im Ziel, zusammen mit Richard, unserem Lieblingssupporter. Wie man unschwer erkennt, ist er Simone’s Papa! 🙂

Der eigentliche Grund für die Mitnahme unserer Rucksäcke war aber, dass wir vom Hohenneuffen aus noch die 14 km durch’s Tiefenbachtal zurück nach Hause gelaufen sind (hahaha, da hat uns dann auch noch ein richtig fetter Regenschauer erwischt…). Unterwegs hat mir Simone dann einen gehörigen Schrecken eingejagt: Als sie ein riesen Matschloch auf einem Forstweg umlaufen wollte, ist sie an einem Stein hängen geblieben. Ich hab sie fliegen sehen, konnte aber auch nichts mehr machen. Sie ist geflogen und dann in den Matsch/Wasser gefüllten Graben gekullert. Zum Glück ist nichts Ernstes passiert, aber beide Knie sind aufgeschlagen und ein paar Schürfungen und Prellungen hat sie auch, die sie in den nächsten Tagen sicherlich noch ein wenig ärgern werden.

Inzwischen sind die Wunden versorgt, die hungrigen Mägen mit Kuchen und Pizza gefüllt und nun lassen wir diesen schönen und ereignisreichen Tag bei einem kleinen Gläschen Rotwein ausklingen.

 

 

 

6 Gedanken zu “Hohenneuffen-Berglauf

  1. Congratz! Siehste, einmal im Jahr kann man da schon mal mitmachen ☺

    Gnihihiiii… hab dich wohl schon öfters fliegen sehen als du mich 😉 Ich war aber auch ganz schön erschrocken… und das linke Knie ärgert mich nun schon ganz ordentlich.

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  2. Hah, auch wenn so „Abflüge“ nicht schön sind, es beruhigt mich immer wieder, dass es anderen auch so geht und ich nicht der einzige Tolpatsch bin. 😉

    Was den Rucksack angeht Katja, da wär mir auch egal was die anderen denken, ich hab selbst auf kurzen Strecken was zu trinken dabei, dann meist Trinkgurt, manchmal muss ich auch einfach nur die Lippen befeuchten oder ne blöde Fliege runter spülen :p. Jeder muss für sich raus finden wie es am besten geht.

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    • Ja, genau! Manchmal fühl ich mich mit Rucksack ein wenig „overdressed“, aber mit Trinkgurten komm ich iwie nicht so gut klar, das Bouncen stört mich und die halten bei mir auch nie dort wo ich sie haben möchte. Auf die ganz kurze Strecke nehm ich, wenn es sehr warm ist, eine Handheld mit.

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