Ganz viel Ommmm und ein wenig Adventure

Normalerweise erlebe und verbringe ich die langen Läufe am Wochenende zusammen mit Simone. Da diese aber schon die ganze Woche von einem Infekt lahmgelegt war, musste ich diesmal alleine los. Das etwas bessere Wetter war für Sonntag gemeldet, deshalb hab ich den Samstag in aller Gemütlichkeit verbracht, obwohl das Wetter dann deutlich besser war als gemeldet und außer ein paar Tropfen den ganzen Tag keinerlei Regen fiel. Am Sonntag sah es dafür erstmal gar nicht so toll aus und am späten Vormittag, zu der Zeit als ich eigentlich los wollte, hatten wir hier Starkregen mit Donnergrollen. Daher hab ich noch ein wenig zugewartet und als dann doch kurz nach Mittag die Sonne noch rauskam, machte ich mich auf die Socken.

Geplant war eigentlich unsere Vor-der-Haustür-Ü20er-Runde, die ich ein bisschen modifizieren wollte, da inzwischen wegen starken Bewuchses nicht mehr alle Trails wirklich laufbar sind und auch der viele Regen der letzten Tage und Wochen sowie die Harvester, die teilweise ihr Unwesen getrieben haben, die Trails nicht gerade besser machen. Schließlich hatte ich wieder meine derzeitigen Lieblinge, die Saucony Peregrine 6 an den Füßen (über die Simone neulich schon ein Review geschrieben hatte, dem ich als Gastkommentatorin auch meinen Senf zufügen durfte), die vor wenigen Wochen auf dieser Strecke so aussahen…:

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Das brauchte ich heute nicht schon wieder…

Von Anfang an hab ich mich heute gut gefühlt, mein gemütliches Traben fühlte sich rund und angenehm an. Nachdem es am Dienstag ja nicht so toll gelaufen war, hatte ich insgeheim ein wenig Sorge, dass das heute wieder so sein könnte. Dann wäre ein Ü20er eine Quälerei gewesen. Glücklicherweise war aber alles schick und gut gelaunt ging ich die ersten Kilometer an. Mit meiner peinlichen Schnulzenmusik im Ohr konnte ich die Anstiege heute alle durchlaufen (im aller niedrigsten Gang natürlich, so wie ich das immer mache) und musste auch danach nicht stehen bleiben oder gehen. Nein, ich konnte direkt weiterlaufen, was für mich sonst leider beileibe nicht immer so selbstverständlich ist. Die ersten Trails waren vom Bewuchs her noch recht gut laufbar, allerdings gab es immer wieder mal ein „hallo wach“ durch die schon ordentlich hohen Brenneseln und die Brombeerranken.

Als ich allerdings in den Trail einbiegen wollte, der zum Brücklein über die Aich führte, gab es eine Überraschung… ich stand plötzlich vor diesem Schild:

„Aichsteg wegen Einsturzgefahr gesperrt“

Hmmmm… die Brücke ist fester Bestandteil unserer Runde, da etwa die Hälfte der Strecke auf der anderen Seite der Aich verläuft und weit und breit gibt es keine andere Stelle, an der man da rüber kommt. Die Sperrung soll wohl bis September andauern, was für uns jetzt natürlich echter Mist ist. Andererseits ist die Brücke so baufällig, dass schon ein Holzbalken gebrochen ist und natürlich ist es klasse, dass das nun wieder gerichtet wird.Für heute nützte mir das nun aber auch nix. Also musste Plan B ran, nur blöderweise gab es keinen… Ich bin ja erst vor einem halben Jahr hierher nach Nürtingen gezogen und bin schon froh, dass ich mir die normale Ü20er Strecke inzwischen merken kann. Leider bin ich ja nicht so die geborene Orientiererin und beschloss deshalb, erstmal den Teil der Strecke diesseits der Aich zu laufen, der sonst immer am Ende unserer Runde drankommt.

Nach dem Trail durch den Wald kommt man auf der Höhe raus, wo man einen schönen Blick zur blauen Mauer hat und ansonsten gibt es dort derzeit Erdbeerfelder soweit das Auge reicht… zumindest, bis man dann bei der Alpakafarm vorbei kommt. Die sind sooooo niedlich!

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Süß und saftig – schwupp, war die Rote verschwunden…

Im Anschluss lief ich von der Höhe wieder hinunter zum Weg, auf dem ich gekommen war.  Dann suchte und fand ich erstmal den schönen Trail am Bach entlang, den mir Simone vor Wochen einmal gezeigt hatte. Einfach nur herrlich…20160605_141130.jpgDieser führt direkt nach Oberensingen. Von dort aus wollte ich versuchen, der „Wanderwegumleitung“ zu folgen, die am Sperrschild ausgelegt worden war. Hat mangels hinreichender Beschilderung und vor allem mangels noch nicht erworbener Ortskenntnis und entsprechender Orientierungslosigkeit meinerseits nicht so wirklich funktioniert, aber egal, wieder was gelernt… Verbuchen wir es als Erkundung der neuen Heimat. Immerhin hat mir das Ganze noch einige Höhenmeter auf den Tacho gebracht, was ja im Hinblick auf den ZUT kein Schaden ist.

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Irgendwann war ich dann plötzlich doch wieder auf Kurs. Nun hätte ich zwar den Rest unserer Originalrunde von hier aus laufen können, jedoch wäre da dann wieder das Problem mit der Brücke gewesen und ich hätte auch so zurück müssen, wie ich gekommen bin. Da es inzwischen ganz schön schwarz am Himmel geworden war und auch noch Donnergrollen hinzu kam, hab ich mich dann für Kommando „kehrt“ entschlossen und mich auf den Rückweg nach Nürtingen gemacht. Um trotzdem noch über die 20 k zu kommen, wollte ich dann halt noch ein Stückchen am Neckar entlang  laufen und auf der anderen Seite wieder zurück.

Hier hat mir dann aber der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht, der ohne großes Vorgeplänkel und mit ordentlicher Vehemenz einsetzte, just als ich wieder auf meinem vertrauten Heimweg bei der Römervilla angekommen war. Es goss wie aus Kübeln, in Nullkommanix war ich nass bis auf die Knochen. Im Rucksack steckte zwar meine Minimus, aber da es ja trotzdem angenehm warm war, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, jetzt in einer Regenjacke stecken zu müssen. Egal, es war ja nicht mehr weit nach Hause und ich wusste, dass dort Simone, ein Cappuccino und ein leckerer und extrem schokoladiger Brownie auf mich warten.

Mit diesem Wissen konnte ich sogar diesen Extremguss richtig genießen. Mit breitem Grinsen im Gesicht lief ich vollends nach Hause und genoss die verständnislosen Blicke der mir entgegenkommenden Menschen, die erfolglos versuchten, unter ihren Schirmen trocken zu bleiben.

Am Ende waren es dann halt doch nur knappe 20 k, die mir aber trotzdem im Hinblick auf den ZUT wieder etwas mehr Zuversicht und vor allem ganz viel Vorfreude gebracht haben.

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Schöner Blick auf meine neue Heimat

3 Gedanken zu “Ganz viel Ommmm und ein wenig Adventure

  1. Trost Nr 1: Der Steg wird wieder gerichtet bzw ersetzt.
    Trost Nr 2: Der Haustür Ü20er ist ja eher ein Herbst/Winter/Frühlingstrail. Von Mitte Mai bis September teilweise gar nicht mehr laufbar wegen zu starker Verwucherung.
    Ab September ist ja dann alles wieder gut! 👍

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Was pfeift denn da? | Wurzelgepurzel

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