Mixed Emotions – Der längste Trainingslauf

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An Fronleichnam war es soweit: Auf diesen Tag haben wir unseren längsten Trainingslauf vor dem ZUT gelegt, wo wir demnächst den Supertrail XL laufen wollen.

Dieser findet in 3 Wochen statt und ich habe noch eine Rechnung mit ihm offen. Auch im letzten Jahr bin ich dort gestartet und konnte ihn finishen, allerdings wurde die Strecke wegen Dauerregens und Schneefall auf den Gipfeln um etwa 10 km verkürzt. Dadurch war ausgerechnet einer der schönsten Streckenteile, die Gegend um das Feldernjöchel, weggefallen, dabei war dieser Abschnitt eigentlich ursprünglich der Grund, warum wir uns für den XL entschieden hatten. Deshalb also der erneute Start auf dieser Strecke.

Nun sollte man meinen, wenn man dort schonmal gestartet ist, ist das ja alles easy peasy. Bei mir ist dem leider gar nicht so. Seit dem letzten Sommer ärgert mich meine Achillessehne mächtig. Genauer gesagt handelt es sich bei mir um eine Haglund-Exostose, d.h. zwischen Achillessehne und Knochen bilden sich Kalkablagerungen, an denen die Sehne dann scheuert. Bei mir hat das dann dazu geführt, dass ich bis weit in den Herbst hinein so gut wie gar nicht laufen konnte, bestenfalls 2x/Woche ein kurzer Lauf von 5-7 km war möglich, danach war aber dann wieder tagelang Pause angesagt. Eine Stoßwellentherapie Ende September hat mir dann erstmal etwas Erleichterung gebracht, nachdem ihre Auswirkungen einige Wochen später spürbar waren. Dann konnte ich ganz langsam meine Umfänge wieder steigern, jedoch konnte ich wegen meines Umzugs Ende Dezember mit Stellensuche und allem Drum und Dran dann auch wieder nicht so regelmäßig trainieren. Seither nun sind meine Arbeitszeiten nicht so wirklich mit einem gut strukturierten Training kompatibel und im Februar hat mich dann auch noch ein Infekt für 3 Wochen völlig lahm gelegt. Und mit meinen nun inzwischen nach und nach gesteigerten Trainingsumfängen muckert natürlich meine Achillessehne wieder munter vor sich hin…

Langer Rede kurzer Sinn: Mein Trainingszustand ist gerade alles andere als toll und auf jeden Fall nicht wirklich auf dem Stand wo er jetzt eigentlich sein sollte.

Trotzdem ist nicht alles verloren, im Kopf bin ich stark! Diese Erkenntnis ist das Geschenk, das mir die Regenschlacht an der Zugspitze im letzten Jahr gemacht hat. Und schließlich läuft man ja einen Ultra auch zu beträchtlichem Teil mit dem Kopf.

Meinen einzigen Ü40er Lauf in diesem Jahr bisher hatte ich vor knapp 3 Wochen ja auch irgendwie gemeistert, in aller Ruhe und ohne mich irgendwelchem Druck auszusetzen. Das war beim LSM, in Lichtenstein, also auch auf der Schwäbischen Alb. Da es vor 3 Wochen noch nichtmal die Idee zu diesem Blog gab, verweise ich hier auf Simone’s Bericht auf „Trailrennerei“.

So, nun hatten wir uns also für Fronleichnam eine Ü50er Strecke ausgeguckt, die uns von Metzingen die Alb entlang über Bad Urach und den Hohenneuffen bis direkt an unsere Haustür in Nürtingen führen sollte. Im Vorfeld herrschte bei mir ein Gefühlsmix  aus Vorfreude, Abenteuerlust und auch einer ordentlichen Portion Schisse, dass ich die Strecke nicht schaffen könnte, aber das wollte ich mir selbst nicht so recht eingestehen.

Nachdem wir um 5 Uhr aufgestanden waren, bestiegen wir kurz nach 7 in der Früh den Zug nach Metzingen. Beim Einsteigen kamen uns jede Menge heimkehrende Nachtschwärmer entgegen und entsprechend alkoholgeschwängert war die Luft im Inneren des Zuges. Die kurze Fahrt verlief trotzdem sehr angenehm, es war auffällig ruhig, da die meisten anderen Fahrgäste geschlafen haben. So konnten wir uns schonmal ein wenig auf die Strecke einstellen, während die Landschaft im morgendlichen Sonne/Dunst-Mix an uns vorbeizog.

Simone hatte für uns eine wirklich sehr sehr schöne Strecke mit angenehm hohem Trailanteil geplant, zu sehr großen Teilen führte sie durch den Wald, so dass wir es die meiste Zeit angenehm schattig hatten.

Die ersten 15 km fielen mir leicht, es war schön zu beobachten, wie so langsam der Morgendunst der Sonne wich.

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Stausee Glems

So hätte es die ganze Zeit weitergehen können, aber natürlich war mir klar, dass das nicht passieren würde. Nach knapp 20 km kam es dann auch: Das Loch, mein Tief, in das ich bei langen Läufen fast immer gerate (meistens sogar noch früher…). Meine rechte Leiste schmerzte und meine Beine fühlten sich an wie Bleikeulen. Die Anstiege zu gehen ging zwar problemlos, aber das Laufen fiel mir unheimlich schwer, egal ob das Gelände flach oder wellig war, lediglich bergab lief es gut. Dieser Zustand hielt ziemlich lange an und überdauerte sogar die erste der beiden Pausen, die Simone perfekterweise zum Trinkblasen/Softflasks auffüllen und Saftschorle trinken in Bad Urach und auf dem Hohenneuffen eingeplant hatte ( ❤ ).

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Da drüben ist der Hohenneuffen – unser Weg führt ganz außenrum, immer an der Alb lang.

Immerhin habe ich es aber geschafft, mich trotzdem gut auf die Strecke zu konzentrieren, die sonst bei meinen schweren Beinen prädestiniert für Stolperer und meine berühmt-berüchtigten Abflüge gewesen wäre. Das hat mir dann doch wieder Mut gemacht und Auftrieb gegeben.  Etwa ab km 35 ging es mir dann nach und nach besser, ich konnte sogar weitgehend den Antstieg zum Hohenneuffen laufen, zwischendurch musste ich jedoch wegen der dortigen Menschenmassen stehen bleiben und kam dann an der Steigung erstmal nicht mehr so richtig in den Tritt.

Auf dem letzten Streckenabschnitt durch’s Tiefenbachtal ging es mir sogar wieder richtig gut. Da die Strecke hier dann vollends auf Forstwegen und zum Schluss auf einem asphaltierten Weglein verlief, hatte ich Musik im Ohr, beobachtete die Vögel am Himmel, die Leistenschmerzen waren wie weggeblasen, die Beine funktionierten wieder tadellos und ich war einfach nur glückselig.

Nun wusste ich, dass ich es tatsächlich geschafft hatte. Der erste Ü-50er in diesem Jahr! Schlussendlich waren es 56 km und um die 1700 HM. Und es war das erste Mal, dass wir eine Strecke in dieser Länge in Eigenregie gemeistert hatten (Alleine hätte ich das allerdings niemals hinbekommen, das wäre  bereits an der Planung der Strecke gescheitert. Das muss ich aber unbedingt auch bald noch lernen, momentan wäre ich da zugegebenermaßen ohne meine Frau völlig aufgeschmissen *rotwerd*).

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Die ganze Aktion hat trotz meines zwischenzeitlichen Durchhängers wirklich Laune gemacht. Es war schön, zu zweit so lange unterwegs zu sein. Ganz gemütlich, ohne Zeitdruck. Und es gibt mir ganz viel Zuversicht für den ZUT. Ich weiß jetzt, wenn ich mich schlecht fühle, dass es auch irgendwann wieder besser wird, auch wenn ich schon mehrere -zig km in den Beinen habe. Und ich weiß, dass 60 km auf jeden Fall drin sein werden. Wenn mein Kopf dann den Rest der Strecke auch noch schafft, dann freue ich mich. Falls nicht, geht die Welt auch nicht unter. Ich will mich nicht unter Druck setzen, davon hat man ja bereits außerhalb der Freizeit genug.

Stattdessen werde ich den Lauf, den Tag genießen, die vielen wunderbaren Ausblicke und die Stimmung in mir aufnehmen, mich über neue „Steckenabschnittsbekannte“ und nettes Geplaudere freuen. Ja, so habe ich das vor und die Vorfreude darauf steigt von Tag zu Tag!

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Fun, Fun, Fun…

 

 

8 Gedanken zu “Mixed Emotions – Der längste Trainingslauf

  1. Bin stolz auf Dich mein ❤

    Hast du gut gemacht! Und mich – wie immer – an Deiner "Juhu! es geht nach Hause!"-Leine mitgezogen. Auf den letzten Kilometern hatte ich so meine kleinen Problemchen 😉

    Danke das Du mit mir solche Abenteuer erleben magst :-*

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  2. Pingback: HomeUltra | trailrennerei

  3. Wirklich schön Euch beide so zu sehen und zu erleben 🙂

    Toll, dass Du jetzt auch berichtest Katja, es gibt schon enorm Vertrauen wenn man weiß, dass da tatsächlich noch was geht, auch wenn es einen Hänger gibt. Das ist Mental-Training.

    Ganz viel Spaß beim ZUT und den weiteren Läufen.

    Läufst Du nächste Woche auch den Berglauf mit? 😉

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    • Ja, das finde ich auch! 🙂
      Hihihi, der Berglauf… Davor hab ich schon riesen Respekt. Natürlich bin ich schon öfters da hoch gelaufen, musste aber meistens auch einiges gehen und bin da halt schon recht langsam. Es macht mir zwar gar nix aus, immer in den hinteren Rängen zu landen, aber so als Allerletzte mag ich dann halt auch nicht ankommen. Aber vielleicht sollte ich da auch einfach drüber stehen und mich nicht drum scheren. Simone möchte ja schon gerne, dass ich mitlaufe und vermutlich wäre es nochmal ein ganz guter Trainingsreiz bevor ich dann ins Tapering für den ZUT gehe. Also ich überlege noch, aber wahrscheinlich werde ich schon noch schwach werden…

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  4. Es starten wie ich das so sehe auch echt immer sehr schnelle Leute, aber ich glaube nicht, dass Du da allerletzte werden würdest 😉
    Ich traue Dir das durchaus zu, allein schon des Heimvorteils wegen.

    Also auf geht’s, anmelden, loslaufen und Spaß haben 🙂
    Liebe Grüße
    Nadine

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    • Na ja, die meisten Starter kommen ja hier aus der Gegend, dagegen bin ich ja doch noch relativ neu hier. Und ja, es sind viele Schnelle dabei, Bergläufer eben. Und viele machen wohl richtig Tempo auf den flacheren Streckenabschnitten, aber ich kann leider auch auf Flach nicht schnell… 😉
      Liegt dran, dass ich kaum Tempoeinheiten in mein Training einbaue, außer wenn es sich gerade quasi von selbst ergibt. Aber das ist für mich eigentlich ok, schließlich war das ja mit ein Grund dafür, dass ich keine Straßenläufe mehr machen wollte… dass ich keine Lust hatte, mich nach Trainingsplänen richten zu müssen. Ich will einfach so laufen, wie ich Lust hab. Und bei mir ist das dann eben so, dass ich dabei nicht unbedingt schneller werde. Aber Spaß und Freude am Tun hab ich ja trotzdem 🙂

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